Kindertagesstätte "Bom Amigo"/Blumenau/Mario und Daniela Müller

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Kindertagesstätte "Bom Amigo"/Blumenau/Mario und Daniela Müller


Was man in 130 Tagen nicht alles erlebt. Wenn ich es so recht überdenke
war ganz schön viel los.

 

Gerade für uns als neue Missionare war nicht immer alles einfach. Vieles war uns fremd, was für Andere längst Routine ist. Vieles musste organisiert werden, Behördengänge gemacht werden, Papiere umgeschrieben und übersetzt werden. Ich darf jetzt  offiziell mit einem brasilianischen Führerschein Auto fahren. Das ist natürlich nichts Besonderes, aber dass ich auch Motorrad und Bus fahren darf, hat mich dann doch etwas gewundert.

Im März hatten wir mit den Männern aus der Gemeinde einen Männernachmittag. Eigentlich ganz einfach, wir haben zusammen gegrillt und ich habe das Thema: „Vaterschaft“ mitgebracht. Darüber sind wir dann ins Gespräch gekommen und es wurde ein sehr lebendiger Nachmittag. Bei vielen Männern ist gerade das Vaterbild kein Gutes. Viele haben Leid in ihrer Kindheit erfahren, aber Gott hat an diesem Nachmittag Türen geöffnet, um einige alte Wunden zu heilen. Ich merke, dass dieses Thema viele unserer Männer in der Gemeinde beschäftigt und wir da weiter ran müssen.
Für mich wurde das Thema dann im März real. Unsere kleine Tochter „Clara Louise Reis da Silva Müller“ kam nämlich zur Welt. Sie ist ein wahrer Sonnenschein in unserem Leben und bereichert uns täglich. Zudem ist sie ein wahrer Türöffner im Gespräch mit Eltern der Kindertagesstätte.

Ab Mitte April war unsere ganze Arbeit nur noch auf eine Aufgabe ausgerichtet. Unsere Evangelisation im Mai. Wir haben uns einen alten Bekannten aus Deutschland dafür eingeladen. Ulrich Parzany war bei uns für 4 Wochen und hat in Blumenau und Jaragua do Sul zwei kleine ProChrist Evangelisationen gemacht. Mein Kollege Lodemar Schlemper hat ihn jeden Abend übersetzt. Es war sehr schön zu sehen, wie viele Menschen jeden Abend gekommen sind und sich mit den Themen: Glück, Liebe, Leid, Tod und Jesus auseinander gesetzt haben. Viele Menschen haben an diesen Abenden gesagt, sie wollen Jesus mehr kennenlernen und haben einen ersten Schritt dazu gemacht.
In diesen Tagen besuchen wir sie und laden sie zu Glaubenskursen in unsere Gemeinde ein. Es war ein wahrer Segen, aber nun sind wir auch froh, dass wir unserer alltäglichen Gemeindearbeit wieder nachgehen können.

Aber was ist schon alltägliche Gemeindearbeit? In diesen Tagen musste ich der Realität ins Auge blicken. Ein paar Jugendliche aus unserer Arbeit haben einen anderen Jugendlichen, der sie zuvor provozierte, in Blumenau krankenhausreif geprügelt. Daraufhin ist der Vater in der Nacht  bewaffnet in das Wohngebiet der Täter gefahren. Die Polizei, die ich informierte, interessierte sich nicht wirklich dafür: „Solange keine Schüsse fallen, ist doch alles halb so wild“. Gott sei Dank hat der Vater keine Dummheit angestellt. Die Mutter des Hauptübeltäters ist bei dem Vater des Jungens gewesen und hat sich für sein Verhalten entschuldigt. Dennoch musste dem Jungen jetzt im Krankenhaus in einer Operation die Nase gerichtet werden. Harte Realität - wie geht man mit solchen Jungs um? Sie haben sich bei uns in der Gemeinde an vielen Stellen eigentlich bewährt, so dass wir sie als Helfer in der Jungschar mit einsetzen konnten. Sie kommen auch regelmäßig in den Gottesdienst und in den Bibelgesprächskreis. Aber ihr Leben außerhalb der Gemeinde ist geprägt von Gewalt und Hass. Marlo, einer der Jungs, erzählte mir einmal: „Meiner Mutter ist es egal wo ich bin, Hauptsache ich komme nur zum Schlafen nach Hause.“

Zum Glück ist es aber nicht überall so. Im April haben wir mit einer kleinen Gruppe von Männern angefangen Fußball zu spielen und die Väter der Kindertagesstätte Bom Amigo dazu eingeladen. Das ist super angekommen. Wir treffen uns mittlerweile jede Woche und spielen zusammen Fußball. Nach 1 Stunde gibt es eine kleine Pause, und ich mach eine Andacht. Danach geht es weiter. Bei einem Spiel habe ich mir jetzt einen Bänderriss zu gezogen. Seltsam, aber das war das Beste was passieren konnte. Jetzt bin ich bei den Spielen dabei und habe ganz viel Zeit mit den Vätern, die gerade nicht spielen, zu reden. Sie erzählen mir von ihren Familien und Problemen, fragen um Rat und bitten um Hilfe.

Die ersten 130 Tage waren spannend. Dani und ich sind sehr gespannt, wie es weiter geht.
Herzlich Grüße aus Blumenau

Mario und Daniela Müller
Rundbrief 1-2014