Glaube und Besinnung


Glaube und Besinnung

Auf ein Wort

 

Die Ferien und der „Heilige Geist“ 

Wenn es um  die Schulferien geht, verstehen Schüler – und auch Lehrer – in der Regel keinen Spaß. Oder doch? Religionsunterricht in Klasse 8. Es war kurz vor Pfingsten. Ein langes Wochenende von Freitag bis Dienstag stand vor der Tür. Nach der Begrüßung kam mir ein spontaner Einfall. Humor darf auch im Unterricht sein: Ich teilte der Klasse sehr ernst mit, dass es einen neuen Schulerlass des Schulministeriums zu den Ferientagen anlässlich der großen kirchlichen Feste gäbe. Ab sofort hätten nur noch die Schüler und Schülerinnen zu Pfingsten, Ostern und Weihnachten frei, die erklären können, warum diese Feiertage da sind und was sie bedeuten.  Die Gesichter vor mir wurden lang und immer länger. Ich konnte in ihnen lesen, was die Jugendlichen gerade dachten, aber sich nicht auszusprechen trauten: Will der uns ver… oder meint er das so ernst wie er aussieht? Ostern und Weihnachten zu erklären, das war für die Klasse kein Problem. Aber Pfingsten? Sollte daran die Ferienfreude scheitern? Schließlich konnte ich nicht mehr ernst bleiben und die Schüler mussten auch lachen. Aber für einen Moment lang haben sie die Sache ernst genommen. Danach gab es übrigens ein gutes Klassengespräch darüber, wozu Pfingsten da ist und was es bedeutet.

Wäre das wirklich so eine schlechte Idee, wenn bestimmte Feier- und Gedenktage nur noch für die Menschen frei wären, die diese auch wirklich begehen? Ob „Tag der Arbeit“, „Tag der deutschen Einheit“ oder die zweiten Feiertage von Weihnachten, Ostern und Pfingsten, warum sollten Arbeitgeber solche Tage frei geben, wenn sie nicht begangen werden? Natürlich sind dies gesetzliche Feiertage, aber warum sollten sie es bleiben, wenn sie von einer Mehrzahl nicht mehr mit Inhalt gefüllt werden?

An Pfingsten, so erzählt die Apostelgeschichte (Apg. 1+2), hat Gott Frauen und Männern, die Jesus nachfolgten den „Heiligen Geist“ geschenkt. 50 Tage waren nach der Kreuzigung und der Auferstehung Jesu vergangen. Die kleine Gruppe der Anhänger Jesu war am Boden zerstört. Sie hatten sich voller Zukunftsangst in ihren Häusern eingeschlossen. Wie sollte es weitergehen ohne Jesus sichtbar und hörbar an der Seite zu haben? Wer gab ihnen nun Orientierung, Halt, Hoffnung und Glauben? Wie gelähmt waren sie, nur auf sich selber fixiert. War das alles nur Phantasie und Märchen, was an Ostern geschehen war? Dann wird berichtet, wie aus diesen ängstlichen, in sich selbst zurückgezogenen Menschen, fröhliche und mutige Gläubige wurden, die ihre Türen weit auf machten und zu ihren Mitmenschen gingen. Ohne Scham und Scheu standen sie für die gute Nachricht ein: Gott ruft uns Menschen zur Umkehr. Seine Liebe ist größer als unsere Gleichgültigkeit, Härte und Sünde samt aller Lebens- und Sterbensangst. Jesus ist dafür Gottes ewiges Versprechen.

Die ersten Christen beschäftigten sich nicht nur mit ihresgleichen. Es wird berichtet, wie sie Brücken zu Menschen mit anderen Sprachen und anderem kulturellen Hintergrund schlugen. Später konnte man sie daran erkennen, dass sie an der Seite der Menschen zu finden waren, die das Leben abgehängt hatte: Hungrige, Gefangene, Einsame, Kranke, Alte, Schwache, Sklaven, Witwen und Waisen…

Bis zum heutigen Tag können wir nicht erklären, wer der Heilige Geist ist. Aber man kann wahrnehmen, was er bei den Menschen bewirkt, die ihn von Gott geschenkt bekommen haben. Wo Menschen Jesus Christus lieben, seinem Versprechen glauben und von seiner Vergebung leben, wo diese Menschen sich mit tätiger Liebe den Schwachen zuwenden, wo gemeinsam Gott gedankt, geklagt und angebetet wird, da ist der Heilige Geist am Werk.

 

Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn bitten! (Lukas 11,13)